Witzfiguren aus Kupfer
kennt Ihr den Unterschied zwischen Radprofis und (deutschen) Werbefuzzis? Nein? Ganz einfach: Beide bescheißen das Publikum mit unlauteren Tricks. Bei Radfahrern ist es ein Skandal - Bei Werbefuzzis ganz normal.
Ich war lange genug in der Werbebranche, um sie hassen zu lernen. Nicht der Job als solches, sondern die für die deutsche Agenturszene typischen Vollversager, die fachlich gar nichts können, aber sich so sehr selber feiern, dass die Marketingleiter der geschröpften Kunden immer wieder darauf reinfallen.
Je größer das fachliche und handwerkliche Unvermögen, desto größer die Party drum herum, mit der man die Nullnummern kaschieren muss. Höhepunkt des Spuks sind die alljährlichen Kreativ-Preise, die man sich im Kreis herum selber verleiht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen gehen die Preise entweder an Betrüger oder Diebe. Ein Betrüger nimmt einem Geld ab ohne echte Gegenleistung. In der Werbung zahlt der Kunde für mehr Umsatz. Bekommt er mit viel Hokus Pokus eine Kampagne vorgefeiert, die den Verbraucher aber nie erreichen wird ist das Betrug. Regelmässig werden Internetauftritte zelebriert, die nur in der Präsentation von CD-ROM aus funktionieren - Weil das Web eben einfach keine Spielkonsole, kein Printmedium und keine Kinoleinwand ist.
Oder Kampagnen für Deutsche Kleinbürger auf Englisch - Ist ja hilfreich, wenn einer Umfrage zu Folge, die meisten Air Berlin Kunden glauben “Fly Euro Shuttle” würde bedeuten, man soll den Euro schütteln.
In anderen Fällen ist alles einfach zusammen geklaut - ohne rot zu werden wird abgekupfert und fremdes geistiges Eigentum, dem Kunden als eigener genialer Einfach verkauft. Das passiert in der deutschen Werbeszene so regelmäßig und so ohne je Scheu, dass man sie auch gern als die “Kupferbranche” bezeichnet.
Warum erzähl ich das eigentlich?
Weil ich heute erfahren habe, dass die Agentur Schmock&Schmock einen Preis für dreisten Diebstahl und frechsten Betrug am Kunden erhalten hat. Geklaut wurde bei mir persönlich und betrogen wurde der National Geographic.
Dafür gab es den “Annual Multimedia Award 2007″ in Silber für die Kampagne “Tauchen Sie online”
Ihr habt richtig gelesen: “Tauchen Sie online” genau so wie der alte Scubahoo Slogan “Online Abtauchen”, “virtueller Tauchgang”, “hier kannst Du online tauchen” usw. usf.
Ich mach jede Wette, dass wenn ich in die Logdateien von Scubahoo schaue, Besuche von der werten “inhabergeführten Kreativagentur” finde. Diesen Terminus muss man übersetzen. “Inhabergeführt” heißt soviel, wie: keiner wollte sich an unserem Laden beteiligen, weil wir von der Buchhaltung bis zum Kaffee alles selber machen, ohne zu wissen wie das geht.” - “Kreativagentur” heißt: wir verkaufen Euch geklaute Ideen, weil wir uns noch nicht mal ein paar Grafiker und Profis einstellen können um, diese Ideen auch umzusetzen.
Aber zurück zum “Online Abtauchen” - Den Preis gab es für die “Online-Kampagne” zu dem Buch “Planet Meer”. Gemeint ist ein Internetauftritt, der handwerklich so schlecht ist, dass ich meine zwei Browser erst umkonfigurieren musste, damit das Flash-Filmchen läuft. Inhaltlich hat er nichts zu bieten außer einem Schieberegler und ein paar Filmchen. Was nicht weiter stört, weil ein Großteil der Internet-Surfer sowieso nicht weiß, was sie tun muss um sich diesen Witz anzusehen.
Das war’s! Mehr muss man nicht bieten für Silber. Hätte die Jury gewusst, dass diese technisch-handwerkliche Nullnummer auch noch auf geklauten Ideen aufbaut. Es hätte vermutlich für Gold gereicht.
